Sie sind hier: Serie: Unterwegs mit  

NEUE SERIE: UNTERWEGS MIT MITARBEITENDEN

Unterwegs mit... aber mit wem?

Nein, entschuldigen Sie, aber da liegen Sie falsch! Ein Sigrist ist keine spezielle Schusstechnik im Fussball, der Organist verkauft keine Leber, der Pfarrer predigt nicht nur am Sonntag und ein Sozialdiakon ist kein Fremdwort für einen Kronleuchter!
Manche Berufe im kirchlichen Umfeld sind gerade kirchenfernen Menschen selten vertraut. Oft wird auch mir die Frage gestellt, was denn eigentlich ein Jugendarbeiter so macht und wie der Arbeitsalltag aussieht. Die einzigartigen kirchlichen Berufe und die interessierten Rückfragen von Menschen aus Bethlehem haben uns schliesslich dazu bewogen, eine neue Serie zu starten. Sie heisst schlicht «Unterwegs mit…«.

Adrian Maurer, Jugendarbeiter




 

Bewaffnet mit Bleistift, Block und Kamera begleitete Jugendarbeiter Adrian Maurer Pfarrer Hans Roder bei seiner täglichen Arbeit. Erfahren Sie, weshalb Adrian seine Meinung über den Residenzpfarrer Roder radikal ändern musste…




 
 

Der Pfarrer: Intellektuell, belesen und immer einen schlauen, passenden Bibelvers zur Hand. Über die Tragödien und Schicksale des Lebens philosophierend, ohne aber eine Ahnung davon zu haben, wie denn das Leben da draussen wirklich ist. Den Schäfchen von der Kanzel das fromme Leben predigend, während im eigenen Keller genug Leichen zu beseitigen wären. Das ist der Pfarrer – oder wohl eher meine pure Einbildung eines Klischee- Pfarrers, wie ich feststellen musste.

Ein Mann der Tat
Als ich in Bethlehem meine Arbeit als Jugendarbeiter begann, fiel mir besonders Hans Roder auf. Er diskutierte in Sitzungen engagiert mit, stritt leidenschaftlich, setzte sich durch. War ihm etwas wichtig, verfolgte er sein Ziel eisern, bis es erreicht wurde. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nicht nur zum Vorteil: Er musste sich auch schon anhören, ein sturer Kopf zu sein – was ich teilweise bejahen kann. Davon lässt er sich aber nicht beirren. Obwohl Hans Roder Predigten schreibt, mitdiskutiert, Protokollauszüge eintippt und sich durch Konzepte durchackert, ist er ein Pragmatiker. Ein Handwerker. Ein Mann der Tat. Nicht würde, sollte, könnte, nein – TUN.

Jedes Jahr eine Elternaktion
Bei einem Projekt auf dem Kirchenplatz lötete er Platinen, verlegte Kupferkabel und montierte Boxen. Jedes Jahr, wenn wieder die Elternaktion für die Konfirmation ansteht, stattet sich Hans Roder mit Fräse, Bohrmaschine, Tacker und anderen Werkzeugen aus, um in der Kirche eine gewaltige Dekoration zu basteln. Man merkt seine handwerkliche Lehre, die er vor dem Studium gemacht hat.

Ein Herz für die Menschen
Ich lernte vor allem seine Vielseitigkeit und Schlichtheit schätzen. Hans Roder kann im Talar eine berührende Predigt halten, und kurze Zeit später steht er in der Küche und kocht für achtzig Personen ein Essen. An einem anderen Tag hilft er einer Frau bei einer Wohnungsräumung und unterstützt sie seelsorgerlich, um im nächsten Konflager wiederum auf einer Slackline (eine Trendsportart ähnlich dem Seiltanzen) zu balancieren. Die gute Laune ist jeweils deutlich an Vivaldi’s Frühling zu erkennen, welchen er im Kirchgemeindehaus pfeift. Seine Leidenschaft sind die unterschiedlichen Menschen in Bethlehem: Er kennt viele, grüsst gerne persönlich und hilft wo er kann. Hans Roder, ein pragmatischer Pfarrer mit dem Herz für die Menschen im Quartier.

PS: Wegen der Leichen im Keller… bei einem Besuch im Pfarrhaus habe ich eine gewaltige Modelleisenbahn gesehen – ein grosses Hobby von Hans Roder.

Adrian Maurer,
Jugendarbeiter




 

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag einer Gemeinwesenarbeiterin aus? Roswitha Alpstaeg hat ihrer Kollegin Christa Neubacher über die Schuler geschaut.




 
 

8.30 Uhr Dienstag morgen: Der Tag von Christa Neubacher beginnt vielversprechend. Seit dem Vortag hat es bereits vier Telefonate auf dem Anrufbeantworter und einige Mails, die darauf warten, beantwortet zu werden.

Doch bevor sie sich den schriftlichen Anliegen und Telefonaten widmen kann, steht die erste Sitzung mit zwei Mitarbeitenden der Kirchgemeinde an. Zusammen besprechen sie Anfragen von Menschen, die finanzielle oder andere Hilfe benötigen. Es wird nach geeigneten Lösungen gesucht. Gesuche müssen angepasst, andere leider abgelehnt werden, wieder andere kann das Gremium gutheissen. Eines der Gesuche betrifft das Anträge einer Familie aus dem Quartier.

Die fünfköpfige Familie ist in finanzieller Not. Der Mann hat vor Kurzem seine Stelle verloren – vor einigen Wochen hat er zwar eine neue Stelle gefunden, allerdings mit einer Lohneinbusse von fast tausend Franken. Die Familie hätte nun Anspruch auf Unterstützung durch den Sozialdienst, was sie im Moment aber ablehnt. Als beratende Sozialarbeiterin reicht Christa nun ein Gesuch ein, welches um einen Beitrag für eine offene Stromrechnung und zwei ausstehende Krankenkassenprämienrechnungen anfragt. Es wird vom Gremium gutgeheissen.

Nach diesem Austausch begrüsst sie die Mitarbeiterinnen, welche heute im mondiaL Café ihren Mogendienst beginnen. Dabei trifft sie auf Lia*, die einmal pro Woche einen selbstgebackenen Kuchen vorbeibringt, für den sie einen kleinen Beitrag von Christa erhält. Heute ist es ein feiner Früchtekuchen.

Im Büro widmet sich Christa nun den E-Mails und Telefonaten. Heute sind einige Anrufe von Personen auf dem Beantworter, welche Nähmaschinen für den neuen Nähtreff im August zu verschenken haben. Christa macht Termine ab, wann sie die Nähmaschinen abholen kann, und organisiert für den kommenden Tag eine Abholtour.

Schon bald ist es 11 Uhr und Christa überfliegt nochmals das bevorstehende Beratungsgespräch. Sind alle nötigen Unterlagen bereit? Heute geht es um einen Mann, welcher mit Hilfe von Christa einen Weg finden möchte, um im ersten Arbeitsmarkt Fuss fassen zu können. Dabei schauen sie zusammen, wie es weiter gehen könnte und welche Strategie sie zusammen erarbeiten wollen. Sie schlägt ihm vor, sich für ein persönliches Gespräch im BIZ, dem Berufsberatungs- und Informationszentrum anzumelden. Dort wird die Ausgangslage abgeklärt. Einerseits werden die beruflichen Chancen besprochen und andererseits wird zusammen nach neuen möglichen Tätigkeiten oder einer Weiterbildung gesucht.

Nach dem Mittagessen kümmert sich Christa um die Lohnabrechnungen für das Integrationsprojekt MondiaL der Kirchgemeinde. Eine Fleissarbeit, welche Ruhe und Konzentration benötigt. Dafür nimmt sie sich im Büro zwei Stunden Zeit. Danach bespricht sie mit ihrer Büropartnerin neue Getränkeideen für das Café MondiaL. Der Frühling kommt und es gibt neue feine Tee und Sirupsorten, welche sie ausprobieren wollen.

Um 17 Uhr steht der letzte Termin für diesen Tag an. Es ist ein Gang mit einer Klientin zur Schuldenberatung. Die Frau möchte für die erste Beratung gerne etwas Unterstützung, deshalb begleitet Christa Neubacher sie für diese erste Beratungssitzung. Danach verabschiedet sich Christa in den wohlverdienten Feierabend. (*Name geändert)

Roswitha Alpstaeg,
Sozialarbeiterin




 

Jugendarbeiter Adrian Maurer hat sich an die Fersen von Pfarrerin Elisabeth Gerber geheftet. Erfahren sie, dass der Pfarrberuf in der Reformierten Kirchgemeinde Bethlehem weit mehr ist als der Sonntagsgottesdienst…




 
 

Wenn abends noch Licht ist
Es ist spät – 19 Uhr. Die Bürozeiten sind vorbei, die meisten Mitarbeitenden sind weg, im Kirchgemeindehaus ist es ruhig. Nur in der Kornwegstube brennt Licht. Elisabeth Gerber führt mit einem jungen Pärchen ein Traugespräch. Die Details der Hochzeit werden besprochen, damit alles klar ist für den grossen Tag. Nach dem Gespräch ist aber noch lange nicht Feierabend. Elisabeth Gerber hat Amtswoche. Sie ist Ansprechperson, wenn jemand verstorben ist, damit die Beerdigung organisiert werden kann: Sie führt Trauergespräche, reserviert die Kirche, bereitet einen Lebenslauf und natürlich die Abdankung selbst vor. Als wäre das alles nicht genug, hat sie für den Sonntag auch noch einen Gottesdienst vorzubereiten. Als Landei dachte ich immer, das sei alles, was eine Pfarrerin macht: Taufen, Trauen, Beerdigen, Taufen, Trauen… und so weiter. In Bethlehem merkte ich, wie vielseitig dieses Amt ist. Jeder Tag, jede Woche sieht anders aus und erfordert grosse Flexibilität.

Mit Herz und Freude bei jung und alt
Pfarrerin Elisabeth Gerber engagiert sich auch für die verschiedenen Kinderveranstaltungen: Sie schreibt Liedtexte, dichtet, bastelt, zeichnet für das Schattentheater und macht gleichzeitig als Schauspielerin in den verschiedensten Rollen mit. Im Rahmen der kirchlichen Unterweisung begleitet sie jeweils die fünfte Klasse durch den Unterricht. Highlight ist der Ausflug zur Münsterkirche. Nicht nur bei den Kindern, sondern auch bei den Senioren ist Elisabeth dabei. Sie begleitet die Seniorenferiengruppe jedes Jahr in eine spannende Urlaubswoche. Gemeinsam mit der Gruppe startet sie jeden Tag mit einer besinnlichen Andacht.

Die Weihnachtsgeschichte live in Bethlehem
Alle zwei Jahre steht zudem das ökumenische Krippenspiel «Weihnachten findet in Bethlehem statt» auf dem Plan. Sie organisiert Schauspieler, schreibt oder überarbeitet die Texte und überlegt sich immer wieder, wie die durch das Quartier wandernde Weihnachtsgeschichte neu erzählt werden könnte. Gewappnet mit Stirnband, Rucksack und Leuchtweste führt sie durch die kalte Theaternacht in Bethlehem und ist besorgt, dass alles nach Skript abläuft.

Zeit fürs Zuhören und Begleiten
Nebst ihrem Amt als Pfarrerin in der Kirchgemeinde arbeitet sie noch in der Heimseelsorge und besucht und begleitet alte Menschen in den Seniorenheimen in Bern West. Auch in der Kirchgemeinde ist sie sehr präsent, nimmt sich Zeit für die Leiden und Freuden der Menschen, hört aufmerksam zu, trinkt mit Ihnen einen Kaffee.

Wie ein bunter Blumenstrauss
Ich war überrascht, wie abwechslungsreich und spannend der Beruf von Elisabeth ist und auch darüber, welch vielseitige Talente sie immer wieder einsetzen kann. Gerne erinnere ich mich an jenen Abend, als ich Elisabeth in einer hebräischen Bibel blätternd in einem der Schulräume antraf. Sie bereitete gerade den Unterricht vor. Wir kamen auf das Thema Übersetzungen zu sprechen. Sie übersetzte mir ohne lange zu zögern einige Bibelverse auf deutsch. Ich war baff.

Adrian Maurer,
Jugendarbeiter




 

Unsere Serie über die Mitarbeitenden in unserer Kirchgemeinde: Lesen Sie, was Daniel Fischer, KGR-Präsident, über den "lockeren Arbeitsalltag" von Jugendarbeiter Adrian Maurer zu berichten weiss ;-)




 
 

Typisch Jugendarbeiter
Es ist gleich 10 Uhr: Völlig entspannt parkiert Adrian Maurer sein Auto und schlendert gemütlich ins Café mondiaL. Wie immer gönnt er sich «Kafi & Gipfeli», bevor er dann gegen 10.45 Uhr nach oben ins Büro geht, das er mit seiner Arbeitskollegin, Jasmin Altermatt, teilt. Da Jugendliche tagsüber in der Schule oder an ihrem Arbeitsplatz sind, gibt es für einen Jugendarbeiter um diese Zeit eigentlich nichts zu tun. Also schmökert Adrian noch etwas in der Zeitung, bis es endlich Mittag ist. «Leider nein», so sieht der Alltag von Adrian Maurer natürlich nicht aus!

Der Informatiker
Es ist kurz vor 8 Uhr, als Adrian Maurer das Kirchgemeindehaus betritt. In Gedanken ist er schon länger da, hat er doch per Whatsapp erfahren, dass es wieder Probleme mit dem Drucker gibt. Adrian hat nebst seiner Haupttätigkeit als Jugendarbeiter einige «Nebenjobs» – er ist u.a. «Ansprechperson» für die Informatik. So nimmt er sich gleich als erstes dem Druckerproblem an: PC neu starten, Druckversuche, Druckereinstellungen und Verbindungen prüfen, mit dem Support telefonieren … endlich ist die Lösung da. Alle im Haus sind glücklich, aber es ist auch schon über eine Stunde Zeit vergangen. An seinem eigenen Arbeits-PC warten längst etliche Mails: Manche enthalten Protokolle, andere Terminanfragen und weitere Mails mit irgendwelchen Fragen, Hinweisen zu Anlässen, Informationen u.a.m.

Back to the roots – oder so ähnlich
Für die baldige Eröffnung der Cafébar «Roots» gibt es dann noch einiges zu erledigen. Eine von Adrian betreute Gruppe Jugendlicher verwandelt jeden Donnerstagabend ab Ende April das Café mondiaL ins «Roots», einen Treffpunkt für Jugendliche ab 16 Jahren. Die engagierten Jugendlichen des «Roots»-Teams haben gefühlte 1000 Ideen, die sie gerne umsetzen möchten! Es ist mittlerweile 11.15 Uhr, der Jugendliche K.L. hätte um 11 Uhr da
sein sollen und kommt nun schnaufend ins Büro. Die 10. Klasse ist für ihn bald zu Ende, aber immer noch ist keine Lehrstelle in Sicht. K.L. ist nicht sonderlich motiviert, auch nicht in der Schule. Adrian hat es nicht leicht: Irgendwie muss er den Jugendlichen motivieren können (gut zureden, Möglichkeiten aufzeigen, Hoffnung vermitteln), aber auch den nötigen Druck aufsetzen – eine Gratwanderung.

Sitzen und planen
Nach dem Mittagessen geht es an eine Sitzung: Bald stehen die Kinder- und Jugendbibeltage an und wollen vorbereitet sein. Dies erfordert eine genaue Planung. Was wird angeboten, wer hilft mit, wer braucht welche Räume, wer beschafft wo Material, wer ist für die Verpflegung verantwortlich, wer kümmert sich um die Sicherheit und um das Erste-Hilfe-Material u.a.m. Die zweite Hälfte des Nachmittags nutzt Adrian für ausstehende Telefonate, bestellt Material, verschickt Terminumfragen und macht sich Gedanken zu einem baldigen Workshop in der Schule.

«Der Knaller» zum Schluss
Wer denkt, der Tag sei nun vorbei, der irrt sich gewaltig: Es ist Freitag und dieser Tag ist lang! Ab 19.15 Uhr ist der Schülertreff geöffnet, den Adrian mit dem hier Schreibenden betreut. Hier geht «die Post ab»! Der Treff ist in einer Umbruchphase. Die etwa 12-15 Besucherinnen und Besucher sind zwischen 6 (!) und etwa 25 Jahren alt. Möchten die älteren gemütlich etwas plaudern, wollen die Kids lieber herumrennen. Kaum schaut man kurz weg, wird es irgendwo plötzlich extrem laut, gibt es rote Köpfe und Adrian muss blitzschnell die erhitzten Gemüter beruhigen. Wahrhaft, Freitagabende haben es in sich!

Daniel Fischer,
Präsident des Kirch gemeinderates




Unterwegs mit ... Angelika Mühlheim

Unsere Serie über die Mitarbeitenden in unserer Kirchgemeinde: Lesen Sie, was Jugendarbeiter Adrian Maurer über die gelernte Bankkauffrau und jetzige Sekretärin der Kirchgemeinde, Angelika Mühlheim, zu berichten weiss!




 
 

Was eine Sekretärin macht ...
Was eine Sekretärin macht ist doch klar: Sie nimmt Telefonanrufe entgegen und beantwortet Fragen, macht Versände und ist die erste Ansprechperson in der Kirchgemeinde. Auch ich hatte diese simple, klischeehafte Vorstellung, als ich als Jugendarbeiter in Bethlehem zu arbeiten begann. Begleiten Sie mich durch einen spannenden Arbeitstag auf den Fersen unserer Sekretärin Angelika Mühlheim und finden Sie selber heraus, wie ihr Arbeitsalltag aussieht.

Rechnungen, Post und Sitzungen
Der Schreibtisch ist übersät mit Rechnungen, Anfragen und Bitten. Angelika seufzt erst einmal, sichtet alles, seufzt nochmals und macht sich an die Arbeit. Als Rechnungsführerin ist sie für alle Zahlungen in der Kirchgemeinde zuständig und muss Rechenschaft über jeden Franken ablegen. Nachdem der Computer gestartet wurde, bucht sie die neuen Rechnungen, checkt die Zahlungseingänge und informiert rasch, wenn eine Stiftung Geld überwiesen hat. Sogleich klingelt das Telefon, eine Anmeldung für das Weihnachtsessen ist eingegangen. Sie schreibt den Kontakt auf, verabschiedet sich und widmet sich der täglichen Post. Im Gang verteilt sie diese rasch auf die einzelnen Mitarbeiter- und Kirchgemeinderatsfächli. Im Vorbeigang prüft sie noch kurz die Auslage der Werbeflyer und Plakate, ob noch alles aktuell ist. Sie schnappt sich einige abgelaufene Flyer, legt sie auf den Altpapierstapel. Auch die beiden Schaukästen im Aussenbereich werden von ihr auf dem neuesten Stand gehalten. Sogleich macht sie sich an die Einladung für die Ratssitzung des Kirchgemeinderates. Sie schreibt eine Traktandenliste, bündelt alle Anträge und schickt die Einladung schliesslich allen zu. Das Sekretariat ist zum Leben erwacht. Zwei weitere Mitarbeitende leisten Angelika im Büro Gesellschaft: Der Organist heftet einige Liederbücher, die Pfarrerin druckt Plakate und schneidet diese zu.

Raumreservationen
Plötzlich klopft es an der Tür. «Kommen Sie nur herein, Sie sind sicher wegen des Vertrages da», begrüsst Angelika den Herrn freundlich. Als Managerin der Raumreservationen nimmt sie Anfragen entgegen, schliesst die Verträge ab und koordiniert alles Nötige mit dem Sigristen und dem Team. Währenddessen klingelt das Telefon etliche Male. Diverse Anfragen werden von Angelika freundlich und professionell beantwortet.

Arbeitsgruppe Betrieb
Endlich kehrt ein wenig Ruhe ein. Angelika bereitet sich für die Sitzung der Arbeitsgruppe Betrieb vor. Zusammen mit dem Sigristen Fritz Wälti, dem Kirchgemeinderat Jürg Moser und mir, dem Jugendarbeiter, werden hier alle Fragen rund um das Thema Kirchgemeindehaus und Kirche besprochen, diskutiert und entschieden.

Drehscheibe der Kirchgemeinde
Einen typischen Arbeitsalltag gibt es im Sekretariat nicht. Täglich warten andere Herausforderungen. Täglich kommen andere Mitarbeitende und Besucher mit den unterschiedlichsten Anliegen. Das Sekretariat ist eine wichtige Drehscheibe in der Kirchgemeinde Bethlehem.

Adrian Maurer , Jugendarbeiter




Unterwegs mit ... Christine Furer

Als diplomierte Sozialarbeiterin ist Christine Furer in unserer Kirchgemeinde für die Arbeit mit Seniorinnen und Senioren zuständig. Wie sieht ihr Alltag aus? Elisabeth Gerber hat Christine Furer einen Tag lang über die Schulter geschaut.




 
 

Los geht's im Berner Oberland
Es schlägt grad 9 Uhr, als Christine Furer mit ihrem hellblauen Auto auf den Kirchenparkplatz einbiegt. Das Wetter ist nicht einladend. Gestartet bei strahlendem Sonnenschein imBerner Oberland, wird sie in Bethlehem von Nebel empfangen. Aber
über das Wetter kann sich Christine nicht lange Gedanken machen. Im Büro wartet Arbeit. Telefonbeantworter abhören, Mails lesen und beantworten, das ist die erste Aufgabe an jedem Arbeitstag.

Vorbereitung Seniorenferien
Christine greift nach dem Ordner mit der Aufschrift «Seniorenferien 2017». Mit dem Hotel in Flims müssen telefonisch noch einige Abklärungen getroffen werden. Es gilt, alle Posten genau zu kalkulieren, damit das Budget nicht überschritten wird. Gerade hat Christine per Mail noch einen Kostenvoranschlag von einem Carunternehmen angefordert, als es an ihrer Bürotüre klopft. Frau S., eine Seniorin, hat vom Amt Post erhalten. Es geht um eine Anpassung der Ergänzungsleistungen. Christine Furer erklärt geduldig, füllt mit Frau S. das verlangte Formular aus und stellt mit ihr eine Liste der Beilagen zusammen, die mitgeschickt werden müssen. Frau S. ist dankbar. «Alleine hätte ich das nicht alles verstanden.»

Unterstützung im Café mondiaL
Nach einem Blick auf ihre Uhr eilt Christine ins Café mondiaL. In der mondiaL-Küche hat Frau I. aus Tschetschenien ein feines Mittagessen vorbereitet. Während Frau I. kocht, begrüsst Christine die Mittagsgäste und unterstützt Frau I. bei der Bedienung, klärt sprachliche Missverständnisse und hilft bei einem Problem mit der Registrierkasse. Endlich hat sie Zeit, selber das wohlverdiente Mittagessen im Kreis der Kolleginnen und Kollegen zu geniessen. Nebenbei wirft Christine einen Blick auf ihr Handy. Ihre Tochter, die ETH-Studentin, hat heute Prüfung. Eine kleines Ermunterungs-SMS von Mama ist hochwillkommen.

Hilfe beim Stricken lernen
«Stricknadelgeklapper» ist am Nachmittag angesagt. Kurz vor 14 Uhr stellt Christine Wolle, Strickheftli und ein kleines Zvieri bereit. Schon treffen die ersten Strickerinnen ein. Christine begrüsst sie und erkundigt sich bei jeder einzelnen nach dem Befinden. Sie nimmt sich Zeit für eine Frau, der es heute nicht gut geht. Zum ersten Mal ist auch eine Frau aus Südamerika gekommen, die stricken lernen möchte. An einer kleinen Lismete erklärt Christine anschaulich linke und rechte Maschen.

Anrufe tätigen – Gesuche schreiben
Zwischendurch zieht sich Christine in ihr Büro zurück, um zwei dringende Anrufe zu tätigen. Eine Seniorin musste zu einer Operation ins Spital. Sie freut sich über die tröstlichen und aufmunternden Worte. Bei der Pro Senectute erkundigt sich Christine, ob ihrem Gesuch um finanzielle Unterstützung für das Hörgerät eines Seniors entsprochen werden konnte. In der Zwischenzeit ist unter den Strickerinnen eine Diskussion über eine Abstimmung entbrannt. Christine vermittlet, erklärt, sorgt dafür, dass alle ihre Meinung äussern können. Die Zeit fliegt. Schnell die Strickutensilien wieder wegräumen und die Unterlagen für die Bürositzung zusammenstellen. Christine muss heute als Teamvertreterin mithelfen, die Kirchgemeinderatssitzung vom nächsten Montag vorzubereiten.

Bügelwäsche und Krimi
Endlich. Der Feierabend naht. Noch einmal Telefonbeantworter abhören, Mails lesen, Schreibtisch aufräumen, dann kann der Schlüssel der Bürotüre gedreht werden. Noch rasch in die Migros, Brot und Milch kaufen, fürs geliebte Cafécomplet- Znacht zuhause. Nach dem Znacht den Feierabend geniessen? Von wegen! Auf Christine wartet ein Korb Bügelwäsche. Zum Glück gibt’s dazu einen unterhaltsamen Krimi am Fernsehen.

Elisabeth Gerber, Pfarrerin